Einweihung des Hella‑Arweiler‑Weges

28.01.2026

Von: Sven Mohr


Mit großer Anteilnahme und sichtbarer Wertschätzung wurde am Mitte Januar 2026 auf dem Gelände der Kinder- und Jugendfarm Saarlouis der neue Hella‑Arweiler‑Weg feierlich eingeweiht. Zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft sowie die Familie der im Jahr 2025 verstorbenen Hella Arweiler nahmen an der Zeremonie teil. Der Oberbürgermeister der Europastadt Saarlouis, Marc Speicher, würdigte in seiner Ansprache das außergewöhnliche Engagement Arweilers für Frauen, Familien und Kinder in Saarlouis und betonte die Bedeutung, Frauen, die die Stadtgeschichte geprägt haben, sichtbar zu machen.



Fotos: Sven Mohr

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Oberbürgermeister der Europastadt Saarlouis, Marc Speicher, würdigte das Lebenswerk


In seiner Ansprache hob der Oberbürgermeister der Europastadt Saarlouis, Marc Speicher, die außergewöhnliche Bedeutung von Hella Arweilers Engagement hervor. Er dankte allen Beteiligten, die sich für die nachträgliche Würdigung von Frauen eingesetzt haben, die die Geschichte der Stadt geprägt haben. Speicher betonte, dass die Sichtbarkeit von Frauen im Stadtbild weiterhin ein wichtiges Anliegen sei: „Wir werden auch künftig Straßen und Plätze nach Frauen benennen, denn hier besteht im Vergleich zu Männern noch ein deutlicher Nachholbedarf.“


Er unterstrich, dass die Wahl des Standortes bewusst getroffen wurde: Die Kinder- und Jugendfarm sei ein Ort, der Arweilers Wirken wie kaum ein anderer widerspiegele. Mit der neuen Adresse Hella‑Arweiler‑Weg 1 werde nicht nur ein Weg benannt, sondern ein Stück Stadtgeschichte sichtbar gemacht.

 


Dr. Claudia Wiotte‑Franz erinnert an Arweilers Herz für Kinder und Soziales


Im Anschluss sprach Dr. Claudia Wiotte‑Franz, Geschäftsführerin der Frauen im Familienbündnis Saarlouis, vor den über 60 anwesenden Gästen. Sie zeichnete ein lebendiges Bild von Hella Arweilers Wirken und stellte heraus, wie tief ihr Engagement im Sozialen verwurzelt war.


Wiotte‑Franz betonte, dass Arweiler über Jahrzehnte hinweg eine treibende Kraft für Frauenrechte, Familienpolitik und soziale Gerechtigkeit war. Besonders hob sie hervor, wie sehr Arweiler die Kinder- und Jugendfarm als Ort der Freiheit, der Demokratiebildung und des spielerischen Lernens schätzte. „Für Hella Arweiler war die Farm ein Herzensprojekt – ein Ort, an dem Kinder erleben können, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen und Gemeinschaft zu gestalten.“

Sie erinnerte daran, dass Arweiler trotz gesundheitlicher Rückschläge nie von ihrem Engagement abließ und bis zuletzt als Vorsitzende des Fördervereins der Farm wirkte.

 


Sigrid Gehl: „Hella Arweiler hat einen blinden Fleck in Saarlouis sichtbar gemacht“



Da die Frauenbeauftragte der Stadt, Sigrid Gehl, an diesem Tag verhindert war, wurden ihre Grußworte von Dr. Wiotte‑Franz verlesen. Gehl würdigte Arweiler als „überaus engagierte, warmherzige Teamplayerin“, die durch ihre mitreißende Art vieles „erlebbar, erspürbar und erfassbar“ gemacht habe.


Besonders hob Gehl hervor, dass Arweiler früh erkannt habe, dass im Stadtbild von Saarlouis ein „blinder Fleck“ existierte: die fehlende Sichtbarkeit von Frauen. Mit großem Einsatz habe sie daran gearbeitet, diesen Missstand zu beheben – in Gremien, Projekten, Publikationen und durch ihr Wirken im Frauenhistorischen Arbeitskreis.

 


Ein Leben für Frauen, Familie und soziale Gerechtigkeit



Hella Arweiler war seit 1977 politisch aktiv und prägte über Jahrzehnte die sozial- und frauenpolitische Landschaft der Stadt. Sie setzte sich für dezentrale Treffpunkte, den Ausbau der Sozialverwaltung, die Einführung einer Kinderbeauftragten, museumspädagogische Angebote und eine stärkere Jugendsozialarbeit ein.


Im Frauenbeirat, dessen Sprecherin sie ab 2009 war, initiierte sie wichtige Reformen wie die Weiterentwicklung des Sozialpasses zum Familien- und Sozialpass oder die Einführung des Windelzuschusses. Sie engagierte sich im Frauenhaus, in der Sportplanung, im Frauenhistorischen Arbeitskreis und in der Sozialplanung der Stadt. Für ihr jahrzehntelanges Engagement erhielt sie 2023 den Bürgerpreis der SPD Saarlouis.


Auch an der Publikationsreihe „Hall of Fame – Auf den Spuren der Frauen“ wirkte sie maßgeblich mit. Ihre eigene Biografie erschien posthum im dritten Band.

 


Ein Vermächtnis, das bleibt



„Aus der Historie lernen, um die Gegenwart zu verstehen, war ebenfalls eine wesentliche Maxime. An der historischen Wende im Stadtbild, die dazu geführt hat, dass Frauennamen in Straßen sowie an Plätzen zu Geltung kommen, war Hella Arweiler wesentlich beteiligt.“


Mit der Benennung des Hella‑Arweiler‑Weges erhält ihr Lebenswerk nun einen sichtbaren, dauerhaften Platz im Stadtbild. Die Wahl des Standortes – direkt an der Kinder- und Jugendfarm – verbindet ihr Engagement für Kinder, ihr frauenpolitisches Wirken und ihre Vision einer sozialen, gerechten und lebendigen Stadt.



Musikalisch umrahmt wurde die Zeremonie von der Musikschule „Mezzoforte“ aus Saarlouis-Roden. 


 

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